Fünf Worte und ein Mädchen

26. Juni 2012



Die Sonne verschwindet langsam am Horizont, das Wasser färbt sich orange. Die letzten Vögel zwitschern ihr Lied, bis auch sie verstummen um morgen früh wieder von neu zu beginnen.
Unsere Füße baumeln.
Ich betrachte sie und dann betrachte ich die Jeans auf ihren Beinen.
Wir sitzen einfach nur da.
Es tut mir leid“, sagt sie. Das sagt sie ständig! Immer tut ihr alles leid, dabei ist es noch nicht mal ihre Schuld.
Ich rutsche nervös hin und her, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll. Die ganze Situation ist ziemlich unangenehm. Vorsichtig schaue ich auf ihre Hände. Ruhig und zusammen gefaltet liegen sie in ihrem Schoß. Und sie sind so wunderschön! Als ich merke, wie auch sie mich anblickt, schaue ich angestrengt auf das Wasser, das leicht hin und her schaukelt, während die Sonne darin versinkt. Immer wieder bringt es kleine Wellen an Land, die kurz darauf wieder zurück schwappen. Allein dieses kleine Geräusch macht mich wahnsinnig. Das Rauschen der Blätter im Wind macht mich wahnsinnig.
Wann war es das letzte Mal so laut, obwohl niemand etwas sagt?
„Es ist okay“, sage ich einfach. Obwohl ich nicht weiß, ob das stimmt. Hauptsache es ist nicht mehr dieser Lärm zwischen uns. Dieser Lärm, der sich anschleicht, sich um meine Kehle legt, mir den Atem nimmt. Damit ich endlich still bin. Damit ich nicht mehr so einen Unsinn rede.
Durchdringend schaut sie mich an. Sie hat verstanden. Sie hat sofort verstanden, dass es nicht okay ist. Noch vor mir hat sie das verstanden!
Und da bricht sie innerlich zusammen. Ich scheine zu spüren, wie ihre Stimme zu Staub zerfällt. Still fängt sie an zu weinen.
Ihre Hände tropfen auf den Boden. Die Tränen umklammern ihr Gesicht. Sie wollen nicht fallen, rollen widerwillig ihre Kehle hinab.
„Hey…“
Ich warte.
„Was ist los?“
Sie schaut mich an. Ihre Stimme ist brüchig, sie bringt all ihre Kraft auf, um sie schließlich mühsam aus dem Mund zu schieben. Schließlich torkeln die Worte langsam über ihre Lippen. Sie sagt: „Du bist mein bester Freund.“ Die Tränen lassen ihr Gesicht dampfen, sie gleiten nun willig über ihre Wangen. Schlingern. Als wären sie betrunken.
„Ich weiß.“
Mit solchen Worten kann man einen Mann umbringen.
Ohne Waffe.
Ohne Kugel.
Nur fünf Worte. Und ein Mädchen.

2 Kommentare:

  1. Ich find sie auch sehr gut. in dem nachdenklichen stil. nur dass Hände auf den boden tropfen und tränen ein gesicht umklammern wusste ich noch nicht;) ach ja ich liebe geschichten die aus der sicht eines jungen mannes geschrieben ist, denn das ist selten und höchst spannend :D
    Doreen

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